Der drohende Konkurs der Bruno-Weber-Stiftung konnte in letzter Minute abgewendet werden. Ab April ist der Skulpturenpark wieder offen. Über den Berg ist das Gesamtkunstwerk aber noch nicht. 

Die frohe Nachricht war schon über die Festtage durchgesickert: Der Ende Oktober geschlossene Bruno-Weber-Skulpturenpark oberhalb von Dietikon kann am 4. April wieder geöffnet werden. Heute Morgen erklärte Stiftungsratspräsidentin Isabelle Cart vor den Medien, wie es dazu gekommen ist.
Dass Maria Anna Weber, die Witwe des im Oktober 2011 verstorbenen Künstlers an der Medienkonferenz teilnahm, machte klar, dass ein grosser Brocken aus dem Weg geräumt ist: Stiftung und Künstlerwitwe haben einen Weg gefunden, wie sie künftig zusammenarbeiten können.
Es wurde eine dreijährige Nutzungsvereinbarung unterzeichnet, wonach die Stiftung gegen eine Abgeltung zugunsten der Familie Weber den ganzen Park bewirtschaften kann. Danach hat die Stiftung ein Vorkaufsrecht.
Für die Künstlerwitwe stimmt's so
Ziel ist es laut Cart, dass in naher Zukunft der Besitz des Parks sowie die Verantwortung für den Betrieb in die alleinige Obhut der Stiftung übergehen. Bisher konnte sie nur über ein Drittel des Parks verfügen, was immer wieder zu Reibereien mit der Familie des Künstlers führte.
Maria Anna Weber sagte vor den Medien: «So stimmt es für mich.» Den Ausschlag hat für sie der Umstand gegeben, dass der Stiftungsrat explizit anstrebt, dass der Park unter Kulturgüterschutz gestellt wird. «Damit ist er der Spekulation entzogen», erklärte Weber, welche während der ganzen Entstehung des Gesamtkunstwerkes ihrem Mann zur Seite gestanden ist.
Kunstraum statt Eventpark
Weiter führte Stiftungsratspräsidentin Cart aus, wie der Park künftig genutzt werden soll. Nämlich nicht als Eventpark, in dem wie in den letzten Jahren immer häufiger Hochzeiten und Firmenanlässe stattfanden, sondern als Kunstraum mit Bezug auf Bruno Webers Schaffen. Nur so könne der Stiftungszweck, nämlich die Pflege und Weiterführung des Werks, erfüllt werden.
Damit ist ein weiterer Streitpunkt aus dem Weg geräumt, haben sich doch Nachbarn regelmässig über die Festivitäten im Park beschwert, weil sie mehr Autoverkehr und Lärm brachten. Kommt dazu, dass die Standortgemeinde Spreitenbach für solche Veranstaltungen keine Bewilligung ausgesprochen hatte.
Schnauf für ein Jahr
Die verschiedenen Unstimmigkeiten hatten im letzten Jahr dazu geführt, dass sich innert kurzer Zeit zwei Stiftungsräte auflösten und der Park unter die Stiftungsratsaufsicht des Kantons Aargau gestellt wurde. Diese hat den Park aus finanziellen und strukturellen Gründen geschlossen. Im November hat sich ein neuer Stiftungsrat zusammengefunden und sich an die Arbeit gemacht.
Die angekündigte Schliessung führte zu einem Besucheransturm. Diese Mehreinnahmen und der Umstand, dass Holcim seine Unterstützung weiterhin zusicherte, konnten den Konkurs abwenden. «In letzter Minute», wie Cart sagte. Doch bleibe die finanzielle Situation angespannt. «Wir haben nun Schnauf für ein Jahr.»
Weiterbauen nach Originalplänen
Der Stiftungsrat ist daran, ein Betriebskonzept zu erstellen und aufzuzeigen, wie sich der Park bis 2030 entwickeln soll. Architekt Eric Maier, Mitglied des Stiftungsrates, erklärte, dass zuerst die für die Sicherheit relevanten Punkte angepackt werden. Nach einem ausführlichen Augenschein kann er aber entwarnen: «Bruno Weber war meisterhaft im Umgang mit dem Beton und der Statik.»
Mittelfristig gehe es dann darum, das Atelierhaus, in dem Maria Anna Weber wohnt, in Teilen den Besuchern zugänglich zu machen und das Gesamtkunstwerk im Sinne Webers fertigzustellen. Dazu stehen Maier die Originalpläne Webers aus dem Jahr 1961 zur Verfügung.
Maier hat Erfahrungen mit Grossbaustellen, war er doch von Architektenseite her Projektleiter bei der Planung und Ausführung des Letzigrundstadions.
Besuch auf der Kunstbaustelle
Weber sah auf dem 1,5 Hektar grossen Areal unter anderem noch einen Liebesgarten vor – und eine Hochbahn, die vom Talboden den Hang hinauf führt. «Bruno Weber hat also bereits den Anschluss an die Limmattalbahn vorausgedacht», erklärte Maier. Dieser sei allerdings noch im Stadium der Vision.
Sicher ist aber, dass im Bruno-Weber-Park in den nächsten Jahren gebaut wird. Dabei sollen die Besucherinnen und Besucher Einblick bekommen, wie ein solches Kunstwerk entsteht und bewahrt wird. Für langjährige Freunde des Parks wird das ein gewohntes Bild sein. Solange Bruno Weber lebte, arbeitete er in seinem Park.
Mehrere Millionen Franken nötig
Die Sanierung, Erweiterung und Erhaltung der Skulpturen benötigt Geld in Höhe von mehreren Millionen Franken. So viel kann der Betrieb des Parks unmöglich lösen. Laut Cart bedeutet das, dass der öffentliche Zugang sowie die Erhaltung des Gesamtkunstwerkes nur durch professionelle Betriebsstrukturen und öffentliche und private Förderbeziehungen weiter bestehen können.
Im Februar ist die Stiftung so weit, sich mit einem Betriebs- und Gesamtkonzept auf die Suche nach Sponsoren zu machen. Stiftungsratsmitglied und Treuhänder Lukas Strittmatter fasste zusammen: «Im Dezember machten wir eine Notfallübung, seither Altlastenbewältigung. Nun sind wir so weit, dass wir in die Zukunft schauen können.»(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)


(Erstellt: 13.01.2015, 13:44 Uhr)

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