14.01.2015

Hohe Besucherzahlen im 2014 und Hoffnungen des Stiftungsrats auf baldige Gönnerbeiträge erlauben eine Wiederaufnahme des Parkbetriebs. Eine neue Nutzungsvereinbarung zwischen der Künstlerwitwe und dem Stiftungsrat sollen Klarheit schaffen. von Sophie Rüesch

Bruno-Weber-Fans können erst einmal aufatmen: Die verfügte Schliessung des Skulpturenparks des 2011 verstorbenen Künstlers wird von kurzer Dauer sein. Bereits am 4. April wird die Wunderwelt ob Dietikon wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein, wie der neue Stiftungsrat am Dienstag bekannt gab. Erst im vergangenen Oktober schloss der Bruno-Weber-Park seine Tore; die damalige kommissarische Stiftungsrätin Brigitte Bitterli sah keinen anderen Ausweg, um die von finanziellen und strukturellen Problemen gebeutelten Stiftung vor dem Konkurs zu retten.
Doch das neu bestellte Gremium blickt heute zuversichtlich in die Zukunft. Dies ist nicht nur dem Umstand geschuldet, dass der Parkbetrieb 2014 unerwartet hohe Einnahmen generierte, mit denen man sich «knapp ins Betriebsjahr 2015 retten» konnte, wie Webers Witwe Maria Anna erklärte: Angesichts der Unsicherheit über die Zukunft des Parks bekundeten 25 000 Besucher ihre Solidarität, indem sie ins Ausflugsziel auf Spreitenbacher Boden pilgerten.
Zuversichtlich stimmt den neuen Stiftungsrat auch die im Dezember abgeschlossene Nutzungsvereinbarung mit Maria Anna Weber, die im Park wohnt und Eigentümerin von rund zwei Dritteln der Gesamtfläche ist. Denn das Gremium hat früh erkannt, dass für eine Rettung des Parks vor allem die Beziehung zur Künstlerwitwe stimmen muss — beim letzten regulären Stiftungsrat, der im Februar geschlossen zurücktrat, war das nicht der Fall. «Eine reelle Chance für einen Neustart kann nur durch einen vertrauensvollen Konsens sowie entsprechende vertragliche Vereinbarungen geschaffen werden», sagte Stiftungsratspräsidentin Isabelle Cart.
Der neue Vertrag umfasst eine dreijährige Nutzungsvereinbarung, mit der der Stiftungsrat frei über den Park verfügen kann. Weber erhält für die Nutzung des privaten Teils eine Abgeltung. «Für mich stimmt es so», sagte sie. Stimmen dürfte für sie vor allem auch, dass das neue Gremium sich aktiv darum bemühen will, dass der Park in den Kulturgüterschutz aufgenommen wird. Sie fordert diesen Schritt schon lange, da das Werk ihres Mannes nur so langfristig in dessen Sinne erhalten werden könne. Zudem spricht der Vertrag der Stiftung das Vorkaufsrecht zu. Denn für Cart ist klar: «Der Besitz und die Verantwortung des Parkbetriebs sollen in die alleinige Obhut der Stiftung übergehen.»
Angespannt bleibt aber die finanzielle Lage. Sanierungen am Wohnhaus und an einigen der Skulpturen sind überfällig. Selbst ein professionalisierter Betrieb könne den Investitionsbedarf, der sich im Lauf der Jahre angestaut hat, nicht decken, erklärte Lukas Strittmatter, der im Stiftungsrat die «nicht einfache Aufgabe» übernommen hat, die Finanzen wieder ins Lot zu bringen.
Strategischer Wechsel geplant
Zudem will der Stiftungsrat einen strategischen Wechsel vollziehen: «Wir wollen weg von der Unterhaltungsindustrie und wieder mehr in Richtung Kultur- und Architekturpark», sagte Stiftungsrat Eric Maier. Das heisst: Weniger Eventmarketing, das zwar kurzfristige Einnahmen verspricht, dafür aber die Weiterentwicklung des Parks behindert.
Denn auch das gehört zum 1992 verbürgten Stiftungszweck: Bruno Webers Universum, das zur Zeit seines Todes noch längst nicht vollendet war, seinen Plänen entsprechend fertig zu bauen. Dem will der neue Stiftungsrat wieder mehr Beachtung schenken, sobald die nötigen Gelder dafür vorhanden sind.
Erste Priorität hat deshalb, neue Gönner für den Park zu gewinnen. Im Februar will der neue Stiftungsrat sich mit einem Betriebs- und Gesamtkonzept an mögliche Sponsoren, Gönner und Institutionen wenden. Bereits verpflichtet hat sich der langjährige Gönner Holcim. Er will den Park während weiteren drei Jahren mit Material- und finanziellen Spenden unterstützen. Holcim-Vertreter Peter Wallauer, der selbst Mitglied des abgetretenen Stiftungsrats war, hofft, damit auch an andere Investoren ein Zeichen zu senden.

Das plant der neue Stiftungsrat im Bruno-Weber-Park
An grossen Plänen mangelt es dem neuen Stiftungsrat nicht. Bereits hat er 20 Teilprojekte zusammengetragen, die in näherer Zukunft realisiert werden sollen. Dazu kommen langfristige Ziele, die angesichts der prekären finanziellen Lage zurzeit noch hintenanstehen.
Schon wenn der Park im April wiedereröffnet wird, sollen erste Neuerungen sichtbar sein. So soll die Begehung des Parks neu gestaltet werden: Stiftungsratspräsidentin Isabelle Cart betonte, dass man Webers Kunst den Besuchern künftig besser vermitteln will, Führungen sollen strukturierter werden. Auch neue Sicherheitsmassnahmen sollen getroffen werden, zumal man mit den dringendsten Sanierungen so bald als möglich beginnen will.
Stiftungsrat Eric Maier spricht von einer «offenen Baustelle», auf der Besucher am Prozess teilhaben sollen. Auf der Sanierungsliste stehen nicht nur kleinere Arbeiten an den Skulpturen, die zum Teil seit 50 Jahren Wind und Wetter trotzen. Auch am Weberschen Wohnhaus sind Arbeiten nötig: Es wurde damals auf dem Grund einer Quelle errichtet, weshalb es im Lauf der Jahre auf der einen Seite ein Stück weit eingesunken ist. Die Sanierung des Wohnhauses soll auch den Weg dafür ebnen, künftig weitere Teile davon der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Das Zelt soll weg, die Raupen her
Der Architekt Eric Maier, unter dessen Leitung damals das Letzigrundstadion neu gebaut wurde, will zudem Bruno Webers Handschrift im Park besser hervorheben. Ausgerüstet mit Originalplänen aus dem Jahr 1961 will er die «städtebaulichen Elemente» der Parkplanung wieder mehr in den Vordergrund rücken. Vor allem die beiden Längsachsen, über die die heutigen Wege durch den Park führen, sollen wieder frei begehbar sein. Dafür soll so bald wie möglich das Zelt, das heute den Eingang versperrt, entfernt werden.
Ausserdem will der Stiftungsrat mittelfristig Projekte anpacken, die Weber zu Lebzeiten nicht realisieren konnte. Dazu gehören der «Liebesgarten» und das «Haus der Wandlung» mit seinen überdimensionierten, begehbaren Raupen auf dem Dach des Wassergartensaals. In fernerer Zukunft schweben dem neuen Gremium gar Projekte wie eine Seilbahn ins Tal vor, mit der Weber «bereits den Anschluss an die Limmattalbahn vorausdachte», so Maier.
Wann und ob diese ambitionierten Pläne wahr werden, ist zurzeit noch nicht klar. «Es ist eine rollende Planung», erklärte Lukas Strittmatter. Und: «Selbst mit den vorhandenen Mitteln und den bereits zugesprochenen Gönnerbeiträgen können wir uns noch keine grossen Sprünge leisten.» aargauerzeitung

 

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