Der letzte offene Sonntag lockte viel Volk in den Bruno Weber Park. 
Die Tore des Bruno Weber Parks schliessen sich am Sonntagabend- die letzten Besucher glauben, dass der Betrieb dennoch weitergeht.

von Tabea Wullschleger

Junge Mütter mit Kinderwagen, Studenten, ältere Ehepaare, ganze Familien auf dem Fahrrad: Sie alle strömten gestern zum Eingang des Bruno-Weber-Parks. Die kurze Wartezeit vor der Kasse benutzten die Ersten bereits zum Fotografieren der bunten Fabelwesen, die den Weg säumten. Kaum drinnen zückten auch viele andere ihr Handy oder den Fotoapparat. Ihr Credo lautete: Das wunderbare Wetter und diese letzte Chance nutzen, umso viel als irgendwie möglich festzuhalten von dieser Traumwelt.
Für die Besucherinnen und Besucher des Bruno-Weber-Parks war gestern nämlich die letzte Chance, das Lebenswerk des 2011 verstorbenen Künstlers zu besichtigen. Heute wird der Park geschlossen. Seit Bekanntgabe dieses Schliessungstermins hat sich engagierter Widerstand dagegen formiert. So wurde ein Komitee gegründet und mit einer Petition bereits über 14 000 Unterschriften für den Erhalt des Parks gesammelt.
Generell bekam der Skulpturenpark in den letzten Wochen ausserordentlich viel Beachtung und wurde von Interessierten förmlich überrannt. So hatte man vor einer Woche den besucherstärksten Sonntag überhaupt; dieser Rekordwert könnte gestern noch übertroffen worden sein (noch liegen keine Daten vor).

Hoffnung auf Wiedereröffnung
Was sich jedoch mit Sicherheit sagen lässt: Das Interesse in der Bevölkerung war riesig – und lockte zusammen mit dem strahlend schönen Herbstwetter die Leute scharenweise in den Park. Viele wollten diese vielleicht letzte Chance nicht verpassen. So etwa Familie von Moos aus Neuenhof, die seit zehn Jahren den Park besuchen wollte und es bis gestern doch nie schaffte. «Wir sind überwältigt von diesem Park und sehr froh, dass wir heute doch noch den Weg hierher gefunden haben», sagten die Familienmitglieder. Eine Besucherin aus Uster dagegen war bereits zweimal im Park, hat aber auch jetzt noch nicht genug von den farbenfrohen Figuren. Sie hoffe sehr, dass der Park in naher Zukunft doch wieder eröffnet werden könne.
Mit diesen Hoffnungen ist sie nicht allein. Allen voran kämpft Bruno Webers Witwe, Maria Anna Weber, dafür, dass der Park wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemachte werden kann: «Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg finden werden, denn es gibt so viele, die dabei engagiert mithelfen», sagt sie. Sie halte es so wie ihr Mann, man müsse immer hinter den Wolken die Sonne sehen. «Wolken verziehen sich. Und dann scheint wie heute die Sonne auch im übertragenen Sinn wieder für den Park.»
Damit dies gelingt, muss allerdings zuerst wieder ein Stiftungsrat gebildet werden; ausserdem muss die desolate finanzielle Situation verbessert werden. Aufgrund der strukturellen und finanziellen Probleme schaltete sich denn auch die Aargauer Stiftungsaufsicht ein, und deshalb wurde auch die Schliessung des Parks verkündet.

Park als Gesamtkunstwerk
Maria Anna Weber wohnt noch heute im Wohnhaus im Park, das ein kleiner Besucher staunend als Schloss bezeichnete. Zusammen mit den Figuren und Skulpturen im Wald und rund um den Wassergarten ist es Bestandteil des Gesamtkunstwerks Bruno-Weber-Park. An dessen Erschaffung war neben dem Namensgeber auch seine Frau Maria Anna, die beiden Töchter Mireille und Rebecca sowie zahlreiche Helfer beteiligt.
Mancher Betrachter der bunten Fabelwesen fühlt sich an indische Skulpturen erinnert. Obwohl der fernöstliche Einfluss da war, sei Bruno Weber kein einziges Mal in Indien gewesen, erzählt seine Witwe. «Er hat aber immer versucht, eine Brücke zwischen Ost und West zu schlagen, denn er erkannte die gleichen Elemente in beiden Kulturräumen.»
Dass er mit dieser Philosophie etwas geschaffen hat, was die Menschen bewegt und begeistert, hat sich in den vergangenen Wochen gezeigt. Nun schliesst dieses Märchenreich seine Pforten. Die vielen Besucher, die es gestern aufgesucht haben, hoffen, dass es mit dieser Schliessung nur in einen Dornröschenschlaf verfällt und dereinst wieder wachgeküsst werden kann.
(az Limmattaler Zeitung) 19.10.2014

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