Für Künstlerwitwe Maria Anna Weber ist besonders wichtig, dass der Park unter Kulturgüterschutz kommt. 

von Sophie Rüesch

Frau Weber, nach einem turbulenten Jahr hat der neue Stiftungsrat am Dienstag das weitere Vorgehen in Sachen Skulpturenpark präsentiert. Sind Sie zuversichtlich, dass nun alles gut kommt?
Maria Anna Weber: Ja. Nach den schwierigen Zeiten im letzten Jahr ist es jetzt wichtig, dass wir Nägel mit Köpfen machen. Dafür müssen alle am gleichen Strick ziehen. Ich bin sicher, dass das mit dem neuen Stiftungsrat möglich ist.


Wie haben Sie das letzte Jahr erlebt?
Ich war vor allem überwältigt davon, welches Echo die Schliessungsverkündung im In- und Ausland ausgelöst hat. 25 000 Besucher kamen im letzten Jahr — das ist ein absoluter Rekord. Unsere Mitarbeiter, meine Töchter Mireille und Rebecca und zahlreiche freiwillige Unterstützer haben einen enormen Arbeitseinsatz geleistet. Dass wir diese Solidarität so intensiv erleben durften, hat mich sehr berührt.
Sind Sie heute mit dem Entscheid der kommissarischen Stiftungsrätin Brigitte Bitterli, den Park am 20. Oktober zu schliessen, versöhnt?
Im Herbst war ich sehr empört darüber. Mittlerweile muss ich sagen: Rückblickend war es der richtige Entscheid.
Wieso?
Zum einen wurde dadurch eine Neubesetzung des Stiftungsrats beschleunigt und damit ein Neubeginn ermöglicht: Man musste schnell handeln. Ein Nebeneffekt war, dass der Bruno-Weber-Park bekannter wurde. Viele Besucher sagten: Wir wohnen in der Schweiz und wussten bis anhin nichts davon. Durch die grosse Besucherzahl und entsprechend höhere Einnahmen durch Eintritte konnte sich die Stiftung finanziell ins Jahr 2015 retten.
Der neue Stiftungsrat und Sie scheinen das Heu auf derselben Bühne zu haben.
Ja, wir verstehen uns sehr gut. Brunos Erkrankung an Parkinson und sein Tod im Oktober 2011 haben eine grosse Lücke hinterlassen. Ich schätze es sehr, dass der neue Stiftungsrat die Arbeit nun professionell angeht, und glaube, dass dadurch Brunos Gesamtwerk auch für die kommenden Generationen erhalten und öffentlich zugänglich bleiben kann. Es erfreut mich sehr, dass trotz des ganzen Tumults im letzten Jahr der Glaube an Brunos Werk für den neuen Stiftungsrat stärker als alle Bedenken war. Ich glaube fest daran, dass er Brunos Arbeit in seinem Sinn und Geist weiterführen wird.
Sie haben in der Vergangenheit betont, dass für die Bestellung eines neuen Stiftungsrats besonders wichtig sei, dass darin die richtigen Fachmänner und -frauen vertreten sind. Ist die jetzige Zusammensetzung nach Ihrem Gusto?
Ja. Isabelle Cart, die Bruno im Rahmen der Ausstellung «Visionäre Schweiz» kennen gelernt hat, ist sehr gut mit seinem Werk betraut. Lukas Strittmatter kennt den Park seit Kindesbeinen, und es ist ihm ein grosses Anliegen, die Finanzen wieder ins Lot zu bringen; das ist nun eine der wichtigsten Aufgaben. Und bei Eric Maier, dem Architekten und Baufachmann, sind die Sanierungsarbeiten in guten Händen.
Zum Thema Sanierungen: Sie haben sich ja lange dagegen gewehrt, dass diese überhaupt nötig sind.
Nein, ich habe immer gesagt: Es ist klar, dass es nach 40, 50 Jahren gewisse Dinge gibt, die man anschauen muss. Aber darunter — und das haben mittlerweile mehrere Spezialisten bezeugt — ist nichts so Gravierendes, dass der Park geschlossen sein muss oder Teile davon abgesperrt werden müssen.
Herr Maier, der Brunos statische Arbeit «meisterhaft» nannte, sprach auch von «beherrschbaren Problemen am Wohnhaus, bei denen man aber nicht mehr allzu lange zuwarten sollte.»
Wir haben schon beim Aushub gemerkt, dass sich nahe beim Haus eine Quelle befindet. Im Laufe der Jahrzehnte sind auf dieser Stelle ein paar Säulen ein Stück weit eingesunken. Es ist auch in meinem Interesse, dass diese Situation nun fachgerecht betrachtet wird. Nur so kann es auch noch über Generationen erhalten bleiben.
Mit der neuen Nutzungsvereinbarung geht die Verantwortung über den gesamten Park de facto an die Stiftung.
Ja. Es ist wichtig, dass die Stiftung mit mir über die weitere Entwicklung diskutieren kann. Doch sie kann letztlich selber entscheiden. Für mich stimmt das so.
Freut Sie die Absichtserklärung der Stiftung, dass sie sich darum bemühen will, dass der Park unter Kulturgüterschutz kommt? Sie setzen sich ja schon lange dafür ein.
Ja, das war auch eine der Bedingungen für den Vertrag. Es ist enorm wichtig, dass der Park unter Kulturgüterschutz kommt. Nur so kann man verhindern, dass er in fernerer Zukunft Spekulanten in die Hände gerät, die daraus eine Art Disney-Park machen oder ihn gar überbauen wollen. Ich vertraue dem Stiftungsrat, dass er sich dafür einsetzen wird, damit die finanzielle Unterstützung langfristig gesichert ist.
Wie blicken Sie in die Zukunft?
Es ist ein Riesenglück, dass wir 2014 so viele Leute erreichen konnten. 16 000 Unterschriften zur Rettung des Parks, 25 000 Besucher, all die Leute, die sich für den Erhalt des Parks eingesetzt haben — das ist grossartig. Auch dass Holcim mit ihrem treuen Beitrag den Park nicht im Stich lässt, ist eine grosse Freude. Nun hoffen wir, dass der Besucherstrom nicht abreisst, und laden alle herzlich dazu ein, uns als Besucher weiterhin treu zu bleiben.

«Es hat eine echte Professionalisierung stattgefunden»
Dass der neue Stiftungsrat gute Arbeit leisten wird, das glaubt auch der Spreitenbacher SP-Grossrat Martin Christen. Er hatte sich letztes Jahr nicht nur in seiner Funktion als Politiker, sondern auch als Präsident des Vereins zur Rettung des Bruno-Weber-Parks und als Initiant der Unterschriftensammlung für eine gesicherte Zukunft des Skulpturenparks eingesetzt. «Ich habe einen sehr guten Eindruck vom neuen Stiftungsrat. Es hat eine echte Professionalisierung stattgefunden — genau so, wie ich mir das vorgestellt habe», sagte Christen gestern auf Anfrage. Lob spricht Christen auch Brigitte Bitterli aus, die als kommissarische Stiftungsrätin «sehr gute Arbeit geleistet und für die Übernahme durch den neuen Stiftungsrat alles sauber aufgegleist hat». Das neue Gremium arbeite nun intensiv und seriös, zudem brächten alle drei Mitglieder das fundierte Fachwissen mit, das für die bevorstehenden Arbeiten unabdingbar sei. Kurz: «Ich habe keine Zweifel daran, dass das Team nun ein Konzept mit Hand und Fuss erarbeitet.» Und davon hänge letztlich ab, ob mögliche Gönner sich in genügend Sicherheit wähnen können, dass ihr Geld gut investiert ist. Nicht ganz einverstanden ist der Grossrat mit dem angekündeten Strategiewechsel «weg von der Unterhaltungsindustrie». Er findet, man müsse die Gunst der Stunde nutzen und zumindest in einer Übergangsphase gar noch vermehrt auf Events im Park setzen, um das für die Sanierung nötige Geld zu generieren. «Zurzeit müssen die Finanzen im Vordergrund stehen», sagt Christen. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass auch ein solides Betriebs- und Gesamtkonzept, wie der Stiftungsrat es im Februar an Gönner und Institutionen verschicken will, eine gute Voraussetzung für die nötige Geldbeschaffung darstellen kann. So glaubt er, dass mit den nun klaren Strukturen auch der Aargauer Regierungsrat einem Gesuch um Unterstützungsbeiträge wohlwollender gegenüberstehen wird als noch letztes Jahr. Dieser hatte sich bereits im Dezember bereit erklärt, sich mit Anträgen zur finanziellen Unterstützung der Stiftung zu befassen — nun, da «wieder ein Ansprechpartner aufseiten der Stiftung» bestehe. «Das Geld wäre vorhanden, trotz enormem Spardruck», ist Christen überzeugt. «Und vorhanden ist nun auch der Goodwill.» Nun sei wichtig, dass man den Stiftungsrat erst einmal in Ruhe arbeiten lasse. «Er braucht den Rückhalt aller, denen der Park am Herzen liegt», so Christen. 

(az Limmattaler Zeitung)

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